Der Mittelpunkt des täglichen Lebens änderte sich: weg von Colins Tracheostoma und hin zu Colin, dem Jungen, den sie lieben.
Ein Kind mit einem Tracheostoma zu haben, verändert das ganze Leben – fragen Sie Cory und Bobbie Peichel! Ihr Sohn Colin atmete fast vier Jahre lang durch ein Tracheostoma. Die Pflege, die ein betroffenes Kind benötigt, ist intensiv. Doch Cory und Bobbie wissen, dass all die Mühe nicht vergebens ist – und dieses Wissen wollen sie an Sie weitergeben.
Tracheostoma mit fünf Monaten
Colin Peichel wurde mit dem Down-Syndrom und damit zusammenhängenden Herzfehlern geboren. Als er vier Monate alt war, entdeckten die Ärzte während einer Operation am offenen Herzen, dass seine Luftröhre einen Durchmesser von gerade mal zwei Millimetern hatte. Die erste Operation, um Colins enge Luftröhre zu weiten, verlief nicht erfolgreich. Colin wurde tracheotomiert als er fünf Monate alt war.
Körperliche und emotionale Herausforderung
Für Cory und Bobbie folgte eine emotional schwierige Zeit voller Sorgen um ihr Kind. Sie mussten sich mit Colins besonderen Bedürfnissen aufgrund des Down-Syndroms auseinandersetzen und dies mit der Fürsorge für ihren zweiten Sohn, den zweijährigen Ryan, unter einen Hut bringen.
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- Colin mit seinen Eltern
Schlafmangel war keine Seltenheit. Cory und Bobbie beschlossen damals, ohne Heimpflege auszukommen. Rückblickend bereuen sie die Entscheidung. Zuerst schliefen sie im gleichen Zimmer wie Colin. Aber weil Colin häufig abgesaugt werden musste, war eine erholsame Nachtruhe nicht möglich.
„Der Zeitaufwand der Pflege kann eine Ehe stark belasten"
„Selbst unter sogenannten normalen Umständen mit kleinen Kindern bedarf es besonderer Anstrengungen, um als Ehepaar miteinander fest verbunden zu bleiben", sagt Bobbie. „Mit Colin war es eine noch grössere Herausforderung. Sie werden es kaum glauben, aber gemeinsames Lachen hilft ungemein. Es löst die Spannung und entschärft angespannte Situationen."
Sorge stärkte die Ehe
Es war die Sorge um den Ehepartner und um Colin, die ihre Ehe stärkte. „Wir erreichten einen Punkt, an dem wir uns häufig sorgten, dass der andere nicht genug Schlaf bekommt oder aus Erschöpfung beginnt, sich krank zu fühlen. Wir boten einander immer wieder an, dessen Nacht mit Colin zu übernehmen, wenn der andere zu müde war. Das Schultern der gemeinsamen Last brachte uns näher zusammen, anstatt einen Keil zwischen uns zu treiben." erinnert sich Cory.
Geschwister dürfen nicht vergessen werden
Ryan, ihr erstgeborener Sohn, kam ebenfalls an erster Stelle. Es geschieht leicht, dass Geschwister von Kindern mit besonderen Bedürfnissen im täglichen Pflegebetrieb ins Hintertreffen geraten. „Am wichtigsten war, dass wir Zeit miteinander verbrachten. Was wir während dieser Zeit taten, war nicht wirklich wichtig." erklärt Cory.
„In der Öffentlichkeit fühlt man sich häufig ausgestellt"
Fremde Personen stellen oft Fragen. Wenn man sein Kind in der Öffentlichkeit absaugt, kommt man sich - wie Cory es so treffend bildlich beschreibt - manchmal vor, „als lebe man in einem Aquarium und alle gucken bloss". Doch das Absaugen lässt sich nun mal nicht aufschieben. „Unsere Absaugpumpe kam mit uns überall mit hin", erklärt Bobbie. „Ich verwendete den Zigarettenanzünder im Auto, um unsere Saugpumpe aufzuladen. Ich halte es für absolut notwendig, ein solches Ladekabel zu haben. Wenn Sie auf einer Autofahrt sind kann die Pumpe sich im Auto aufladen."
„Im Laufe der Zeit wurden sie zunehmend entspannter"
Colins Pflege wurde zur Routine, ganz gleich, ob Colin während Ryans Fussballspiel auf der Zuschauertribüne abgesaugt wurde oder beim Halten an einer roten Ampel. So verschob sich der Mittelpunkt ihres täglichen Lebens weg von Colins Tracheostoma hin zu Colin - dem Jungen, den sie lieben. Bobbie erklärt: „Das Tracheostoma spielte im Gegensatz zum Anfang eine zunehmend kleinere Rolle in meiner Betrachtung meines Sohnes."
Colin wurde nach einer Tracheoplastie im Januar dekanuliert.

