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Stillen

Präeklampsie und Stillen: Herausforderungen, Auswirkungen und Best Practice

Zeit zum Lesen: 4 min.

Helen Sutherland RN, RM
Global Medical Affairs and Education Manager at Medela

Einleitung

Präeklampsie ist eine hypertensive Erkrankung (den erhöhten Blutdruck betreffend), von der weltweit 3–5 % aller Schwangerschaften betroffen sind. Sie ist nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität bei Müttern.1 Über die Entbindung hinaus besteht für Frauen mit Präeklampsie ein erhöhtes Risiko für chronische Hypertonie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Zeit nach der Entbindung ist ein entscheidender Zeitraum für Interventionen, die die Outcomes für Mütter und Neugeborene verbessern.
Stillen ist eine solche Maßnahme, die zusätzlich zu den unmittelbaren ernährungsphysiologischen Vorteilen für den Säugling auch Schutzvorteile für die Mutter bietet, darunter ein geringeres Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen im späteren Leben.2

Als gesundheitliche Fachpersonen müssen wir Frauen mit Präeklampsie proaktiv beim Stillen unterstützen, indem wir dem rechtzeitigen Beginn des Stillens und dem unterstützenden Abpumpen Vorrang einräumen, um Müttern dabei zu helfen, eine ausreichende Milchversorgung aufzubauen und ihre Stillziele zu erreichen.

Auswirkungen von Präeklampsie auf die Laktation

Bluthochdruck und Präeklampsie können sich negativ auf die Laktation auswirken und zu einer verzögerten Milchproduktion und niedrigeren Stillraten führen.3

Frauen mit Präeklampsie leiden häufig unter einer verzögerten sekretorischen Aktivierung (Beginn der reichlichen Milchbildung ≥ 72 Stunden nach der Entbindung), einer frühen Zufütterung mit Säuglingsnahrung und einer geringeren Stillrate.

Die Erkrankung selbst wird durch weitere Risikofaktoren ungünstig beeinflusst, darunter Kaiserschnittentbindung, mütterliche Adipositas, eine stressreiche Geburt, Frühgeburt und Trennung von Mutter und Kind, die alle häufig bei Präeklampsie-Fällen auftreten.4,5
Erschwerend kommt hinzu, dass Unklarheit hinsichtlich der Medikamentensicherheit und des Stillens besteht. So kann beispielsweise die Magnesiumsulfat-Therapie, die für die Prophylaxe von Krampfanfällen unerlässlich ist, ein Faktor sein, der mit einer Verzögerung des Stillbeginns in Verbindung gebracht wird, sie stellt jedoch keine Kontraindikation für das Stillen dar.6-8, 6

Untersuchungen zeigen, dass nur 51% der Frauen mit schwerer Präeklampsie erfolgreich mit dem Stillen begonnen haben. Ein wesentlicher Faktor hierfür ist die Trennung von Mutter und Kind und die Einweisung des Säuglings auf die Neugeborenen-Intensivstation, nicht die biologische Unfähigkeit der Mutter, Milch zu produzieren.9

Wenn direktes Stillen nicht möglich ist, ist frühes, häufiges und effektives Abpumpen in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt entscheidend für die Aktivierung der Milchproduktion und dem Aufbau einer ausreichenden Milchmenge. Mütter mit Präeklampsie pumpen jedoch weitaus seltener ab als Mütter ohne Präeklampsie, was zu einer verzögerten Aktivierung der Milchproduktion und einer verminderten Milchmenge führen kann. Gezielte Maßnahmen zur Unterstützung eines optimalen Abpumpens, während dieses frühen kritischen Zeitfensters, könnten die Patientenoutcomes und die klinische Praxis verbessern.10

Vorteile des Stillens für Mütter mit Präeklampsie

Stillen, selbst für kurze Zeit, kann helfen, den Blutdruck zu senken und langfristige Risiken für Herz-Kreislauferkrankungen zu verringern.11Für Frauen mit Präeklampsie, die bereits ein höheres Risiko für zukünftige Hypertonie haben, ist Stillen daher besonders wichtig. Eine Aufklärung diesbezüglich sollte Teil der routinemäßigen Gespräche vor und nach der Geburt sein.

Stillen wird mit verbesserten Stoffwechselprofilen und Glukoseregulierung, niedrigerem Blutdruck, günstigen Lipidprofilen (Cholesterin) und einem verringerten lebenslangen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Aufgrund dieser Vorteile gilt Stillen als vorbeugende Gesundheitsmaßnahme für Frauen mit hohem kardiovaskulärem Risiko.12

Best Practice zur Unterstützung des Stillens

Frühzeitiger Beginn und Haut-zu-Hautkontakt: Wenn klinisch möglich, beginnen Sie innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt mit dem Stillen oder Abpumpen. Haut-zu-Hautkontakt fördert die Ausschüttung von Oxytocin, stabilisiert den Blutdruck und unterstützt die Milchproduktion.13

Individuelle Stillpläne: Beurteilen Sie den Zustand der Mutter und passen Sie die Stillunterstützung individuell an. Informieren Sie Patientinnen, die eine blutdrucksenkende Therapie erhalten, über die Sicherheit von Medikamenten. Die am häufigsten verwendeten Medikamente (Labetalol, Nifedipin, Enalapril) sind mit dem Stillen vereinbar, während Diuretika mit Vorsicht angewendet werden sollten.8,14-16

Einbinden der Neugeborenen-Intensivstation: Wenn Säuglinge eine Behandlung auf der Neugeborenen-Intensivstation benötigen, sollte frühzeitig mit dem Abpumpen begonnen werden (innerhalb von 3–6 Stunden nach der Entbindung) und der Zugang zu Milchpumpen in Krankenhausqualität mit Initiierungstechnologie sichergestellt werden. Abgepumptes Kolostrum/Milch ist für vulnerable Säuglinge von entscheidender Bedeutung. In Fällen, in denen die Mutter medizinisch instabil ist, kann gespendete Muttermilch als Überbrückung in Betracht gezogen werden, bis sie sich erholt hat.

Kontinuierliche Aufklärung und emotionale Unterstützung: Hochrisikopatientinnen leiden häufig unter Angstzuständen und Erschöpfung. Die kontinuierliche Beratung durch Stillberaterinnen, Pflegepersonal oder Hebammen während und nach der Geburt sowie auf der Neugeborenen-Intensivstation hilft Familien dabei, ihre Stillziele zu erreichen.

Kooperative Versorgung: Optimale Ergebnisse erfordern eine nahtlose Koordination zwischen den Teams im Kreissaal, auf der gynäkologischen Station, auf der Neugeborenen-Intensivstation. Evidenzbasierte Protokolle und interdisziplinäre Kommunikation sind der Schlüssel zum Erfolg.

Fazit

Die Unterstützung des Stillens bei Patientinnen mit Präeklampsie ist mehr als nur eine Ernährungsentscheidung, es ist eine strategische Maßnahme, die die Outcomes für die Mutter und das Neugeborenes verbessert und das zukünftige Herz-Kreislauf-Risiko senkt.12,17 Durch Aufklärung, Motivation und kooperative Betreuung können medizinische Fachkräfte Risikofamilien dabei helfen, sich gut zu entwickeln.

 

Zusammenfassung:

  • Seien Sie proaktiv: Identifizieren Sie Patientinnen mit Bluthochdruckerkrankungen frühzeitig und arbeiten Sie gemeinsam einen Plan zur Unterstützung des Stillbeginns aus.18
  • Ermutigen Sie zu frühem und häufigem Abpumpen, wenn direktes Stillen noch nicht möglich ist, um die Milchbildung anzuregen und eine ausreichende Milchmengen zu erreichen.10,19
  • Medikamente: Beachten Sie die Sicherheitsprofile von Medikamenten während der Stillzeit.
  • Setzen Sie sich für Mütter ein: Unterstützen Sie Maßnahmen, die die Trennung von Mutter und Kind minimieren, auch auf der Intensivstationen.
  • Aufklären: Betonen Sie, dass Stillen das langfristige Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann, was ein wichtiger Motivationsfaktor ist.11

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References

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